James und Katie, ein reizendes Ehepaar aus Australien, reisten mit mir an einem Mittwoch von Heidelberg nach Luzern, wo sie in dem renommierten Art Deco Hotel Montana übernachteten.
Unterwegs besuchten wir zwei Burgen, die Burg Lichtenstein, die auch „Märchenschloss Württembergs“ genannt wird, sowie die Burg Hohenzollern, den Stammsitz des Kaiserhauses Hohenzollern. Ursprünglich war geplant, zu Mittag zu essen, nachdem wir beide Schlösser besichtigt hätten, aber als wir die Burg Lichtenstein verließen, war es bereits halb eins. Wenn man unter der Woche auf dem Land unterwegs ist, dann ist es alles andere als einfach, eine Gaststätte zu finden, die geöffnet hat – zumal wenn die Mittagszeit bereits verstrichen ist. Deshalb schlug ich den beiden vor, bereits zwischen den Besuchen der beiden Schlösser nach einer warmen Mahlzeit Ausschau zu halten. In einem kleinen Dorf namens Mössingen-Öschingen sah ich am Straßenrand einige Bauarbeiter und hielt an, um sie zu fragen, ob sie Einheimische seien und ein Lokal empfehlen könnten. Einer von ihnen sagte: „Lassen Sie mich sehen, was wir heute haben.“ Zuerst dachte ich, wir würden zum Essen bei ihm zuhause eingeladen. Dann stellte sich jedoch heraus, dass wir zufällig an einem ganz besonderen Ort gehalten hatten: Gleich nebenan befand sich die Bioland-Demeter-Metzgerei Grießhaber. Jeden Tag wird dort ein hausgemachtes Essen für die Bewohner der Umgebung serviert. Der Mann, den ich angesprochen hatte, war der Sohn der Familie Grießhaber und nachdem er versucht hatte, in Erfahrung zu bringen, welches Gericht es an diesem Tag gäbe, musste er uns dreien leider sagen, dass wir zu spät dran seien und schon alles von den Einheimischen vertilgt worden sei. Als ich ihn fragte, ob er einen anderen Ort für ein gutes Mittagessen empfehlen könne, fiel ihm das sichtlich schwer, da man im eigenen Hause selbst so hohe Qualitätsstandards erfüllt. Während wir sprachen, kam zu unserem großen Glück allerdings die Köchin heraus und sagte:
„Ich werde diese Leute nicht verhungern lassen!“
Also parkten wir das Auto und gingen in das sogenanntes „Wirtschäftle“. Wir wurden mit Semmelknödeln und Pilzsauce verwöhnt und es war in jeder Hinsicht etwas Besonderes – sowohl was das wunderbare Essen als auch die familiäre Location betraf. Und das nicht nur für meine Freunde aus Australien, sondern auch für mich. Ich würde sagen, James und Katie gefiel es bei den Grießhabers fast so gut wie in ihrem Fünf-Sterne-Hotel in Luzern.